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Fremd gehen von Peter Stamm (UA)



Tragikomödie

mit Silvia-Maria Jung, Rolf Strub Foto
1995 am Theater 1230 Bern

Bedeutungsschwanger wird mit Versatzstücken aus der Psychologie hantiert, die in der gelungenen Umsetzung (Regie: Rita Portmann) durch nachgestellte Spielfilmsequenzen Schwung bringen...
Der Bund, 23. September 1995 (Martin Moser)

Wenn die Verschrobenheit des Texts sich zu wiederholen beginnt, sich quasi totläuft, dann setzen die beiden DarstellerInnen Rolf Strub und Silvia-Maria Jung ein, die unter der Regie von Rita Portmann den Text effektvoll aufmotzen. Der Kontrast zur Biederkeit bilden dann stimmungsvolle Traumsequenzen, die Filmszenen nachgestellt sind. So erhalten die Figuren eine Darstellungsebene, um ihre Risse und Wünsche aufzuzeigen...
Die WochenZeitung, 6. Oktober 1995 (Tobias Müller)

(ganze Kritiken)

"Fremd gehen" zeigt, wie ein Buchhalter, der nach Arbeitsende Selbstmord machen und sich vorher noch von seiner Sekretärin verabschieden will. Das dauert aber länger als geplant.

Schon beim ersten Lesen des Stücks war die Regisseurin von der Tragikomik der Figur von Preisel fasziniert. Wie er im Stück spricht und handelt, wirkt oft ein bisschen absurd, lächerlich und traurig zugleich. Diese Ambivalenz, diese Brüchigkeit interessierte sie.
Gleichzeitig war es eine Herausforderung, auf der Kippe zwischen komisch und tragisch zu bleiben.
Bei Karin Halbherr besteht ein ähnlicher Fall: Was sie spricht und was sie fühlt, deckt sich nicht. Sie hat sich zwar mit ihrem Leben abgefunden, sehnt sich aber insgeheim nach einer Beziehung, vielleicht auch nach der Familienidylle ihrer Kindheit. Ihre Träume stammen aus dieser Zeit oder aus Angelesenem oder Angesehenem.
Preisel hingegen hat keine Träume, keine Wünsche (nicht einmal fürs Wunschkonzert hat er sich je etwas gewünscht !).
In ihrer traurig-komischen Annäherung zeigen sich ihre Kommunikationsprobleme. Beide funktionieren zwar in der Arbeitswelt, haben es daneben aber schwer, ihrem Leben einen Sinn zu geben.
Einsamkeit und Abhängigkeit (von der Mutter oder von Klischees) sind wichtige Punkte der beiden Figuren.

Die Bühne im Theater 1230 (in einem Altstadtkeller an der Kramgasse 4) in Bern bestand aus zwei Ebenen: Unten aus dem Büro und oben aus einer Traumebene, wo die Träume der Sekretärin oder die Neurose des Buchalters mit Musik und Bildern aus Werbung und Filmen visualisiert wurden.

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