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«Ich will Kinder!»
KreuzKultur
Theaterstück «Five frozen Embryos» aufgeführt
Unter der Regie der Solothurnerin
Rita Portmann leuchteten die Schauspielerinnen Ma-nuela Biedermann
und Judith Niethammer ein schwieriges Thema aus. Schwierige Sprache
und schwerwiegende Inhalte wurden mit einfallsreichen Bewegungen
und absurden Szenen kombiniert.
JÜRG KÜBLI
Eine minimal ausgestattete Bühne mit einer leeren
Bar und zwei Stühlen vermittelt eine kühle Atmosphäre.
Zwei Frauen, die eine sitzend und einen Laptop auf dem Schoss,
die andere angestrengt nachdenkend, ringen um sprachliche Feinheiten.
In der Sache geht es um ein amerikanisches Gerichtsurteil, in
dem einer Frau (Diane) untersagt wurde, ohne die Zustimmung ihres
geschiedenen Ehegatten (Marc) über die seinerzeit nach gemeinsamem
Willen geschaffenen und eingefrorenen Embryos zu verfügen.
Wem gehören eigentlich die besagten Embryos? Ihr, ihm oder
ihnen? Bis zur Spitzfindigkeit formulieren die Schauspielerinnen
den Sachverhalt, klopfen das Bedeutungsfeld jedes entscheidenden
Wortes ab und legen jedes Sätzchen auf die Goldwaage. Sie
kommen zu keinem schlüssigen Befund, dafür geben sie
zunehmend deutlicher zu erkennen, dass sie selbst von einem starken
Kinderwunsch erfüllt sind, und angesichts ihres Alters die
biologische Grenze nahe gerückt ist.
Starker Wunsch, drängende
Zeit
Die Frauen tun alles Erdenkliche, um ihren wichtigsten
Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen. Sie nehmen abwechselnd
Stellungen ein, welche die Fruchtbarkeit erhöhen sollen.
Eifriges Praktizieren von Luna-Yoga, Power-Atmen in Intervallen,
Einnehmen und Einschmieren fettreicher Milchprodukte und häufiges
Naschen von Saurem sollen zum Erfolg führen. Sie streben
ihr Ziel gar mittels Superinsemination und Super-ovulation an.
Was technisch-berechnend, unangenehm kühl und manchmal gar
unmenschlich entfremdend wirkt, wird immer wieder mit schönen
alten Liedern kontrastiert, in denen auf poetische Weise der
Kinderwunsch ausgedrückt wird.
Als wichtiges Strukturmittel wird eine elektronisch verfremdete
Tonspur eingespielt, in der aber noch wehmütig Stimmung
und verlorene Melodie von «Sandman» anklingen. In
einer weiteren Episode befassen sich die Schauspielerinnen mit
der langen Geschichte der heiligen Ehe und fragen sich dabei,
wie viel Zeit wohl zwischen der Erfindung der Ehe und der Erfindung
der Scheidung gelegen habe. Illusionslos meint die eine, beides
sei wohl am gleichen Tag geschehen. Gegen Schluss erscheint Judith
als Diane. In einem Interview verweist sie auf die Heiligkeit
und Würde, ein Kind zu gebären. Niemand habe das Recht,
die ungeborenen Embryos in ihrer Entwicklung zu behindern. «Ich
will Kinder!» c und niemand solle jemand anderen daran
hindern, diesen Wunsch zu erfüllen.
«Five frozen Embryos»
wird noch heute und morgen um 20.30 Uhr im «Kreuz»
gegeben.
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